Wanderabenteuer von Tallinn nach Lissabon!

La Bretagne!

Wenn man aus England kommt, stellt die Bretagne gar keinen so großen Kulturschock dar. Dieser Teil von Frankreich hat schon immer seine keltischen Wurzeln geschätzt, mehr als den französischen Einfluss, was sich in der lokalen Sprache, Musik und Architektur niederschlägt. Stein ist eines der Hauptelemente in dieser Region, sei es in Form von natürlichen Skulpturen entlang der Küste oder als Baumaterial für die Häuser. Das Nationalgetränk der Bretagne ist Cidre und eine Auswahl von salzigen und süßen Crêpes fehlt auf keiner Speisekarte. Wir genossen besonders die natürliche Freundlichkeit der Bretonen, die immer für einen Plausch zu haben sind und stets bereit waren zu helfen.

An einem grauen und regnerischen Tag, Nummer 275 unserer Reise, verließen wir die Fähre aus Portsmouth in Saint-Malo, im östlichen Teil der Bretagne. Unser Plan war, die Wanderstrecke in Roscoff neu aufzunehmen, das sich ca. 200 km westlich befand, also mussten wir noch mit dem Zug fahren, um dorthin zu gelangen. Da wir noch etwas müde und geschwächt von der Überfahrt waren, nahmen wir erst einmal ein köstliches französisches Frühstück zu uns, bevor wir weiterreisten.
Um gleich in Bretagne-Stimmung zu kommen, aßen wir abends Crêpes und tranken Cidre an der Bucht von Roscoff. Es war noch früh, als wir aus dem Restaurant gingen, und da wir ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatten, weil wir so viele Tage nicht gewandert waren, gingen wir bis zum offiziellen Anfangspunkt unserer Wanderung (wo die Fähre von Plymouth gelandet wäre, wenn sie im Januar führe). Von dort liefen wir die ersten drei Kilometer auf dem GR34, dem Wanderweg, der zum E9 in Frankreich gehört.

Am Tag 276 folgten wir der bretonischen Küste bis zum kleinen Fischerdorf Mogueriec. Unterwegs hatten wir unser erstes Treffen mit den freundlichen Einwohnern, doch wir waren noch viel mehr beeindruckt von der rauen Schönheit der Felsformationen, die die Küste säumten. Der Küstenweg (sentier côtier), auf dem wir wanderten, folgt genau dem Küstenverlauf, mit allen Buchten und Flüssen. In Mogueriec entdeckten wir auch einen der verschiedenen Startpunkte für den Jakobsweg.

Während der nächsten drei Tage wanderten wir 71 Kilometer zwischen Mogueriec und Landéda. Wir sahen eine Menge beeindruckender Felsskulpturen, geübte Surfer, die die starken Wellen nutzten, und sogar eine mutige Schwimmerin, die ihre Runden in einem natürlichen Meerwasserbecken drehte. Sonne, Regen und Wolken wechselten sich in kurzer Folge ab und mehr als einmal tauchte ein wunderschöner Regenbogen auf. Die Häuser, an denen wir vorbeigingen, waren oft aus Feldsteinen gebaut und hatten strahlend blaue Fensterrrahmen. An einem Abend gönnten wir uns ein sehr gutes Essen mit lokal produzierten Austern, die köstlich waren und frischer nicht hätten sein können.

Wir hatten Gelegenheit, die Herkunft unseres Abendessens vom Vorabend zu sehen, als wir am Tag 280 nach Saint Pabu wanderten: Am Ufer der Flussmündung gab es eine Austernfarm nach der anderen, die die perfekten Konditionen für die Zucht der Muscheln, eine Kombination aus Gezeiten, Wassertemperatur und einer Mischung aus Süß- und Salzwasser, nutzten. Unser Pfad folgte dem Benoît Fluss auf acht Kilometern am linken Ufer, bevor wir endlich die erste Brücke erreichten, wo wir den Fluss überqueren konnten und weitere sieben Kilometer am gegenüberliegenden Ufer bis zu unserem Ziel liefen. Fünfzehn Kilometer Wandern, um zwei Kilometer Luftlinie zurückzulegen! Daran mussten wir etwas ändern.
Doch zuerst verbrachten wir einen Ruhetag in einer familiären Pension in Saint Pabu; teils weil der Ort so gemütlich war, aber auch, weil José dran war mit krank sein und ein Tag in einem warmen Bett ihn bald wieder auf die Beine bringen würde. Moiken verbrachte einen Teil des Tages mit Schreiben und einen weiteren Teil damit herauszufinden, was das Dorf wohl so zu bieten hatte. Sie entdeckte am Ende einen einzigen Laden, aber wenigstens bekamen wir frisches Baguette und einige leckere Brotaufstriche für unser Abendessen.
Am folgenden Tag ging es José tatsächlich besser und wir wanderten 22 km entlang des Strandes und über Sanddünen bis Landunvez, wo wir ein Haus für eine Nacht gemietet hatten. Als spezielle Aufmerksamkeit des Vermieters warteten ein frisches Baguette und eine Packung halbfertige Crêpes auf uns. Zusammen mit einigen Leckereien aus der nahegelegenen Bäckerei hatten wir alles was wir brauchten, um unsere Energiespeicher aufzufüllen.

Nach der Erfahrung, am Benoît Fluss entlang – beziehungsweise um ihn herum – zu wandern, entschieden wir, öfter Abkürzungen zum GR34 zu nutzen. Wir hatten gleich an den Tagen 283 und 284 Gelegenheit dazu, als der GR34F uns durch das Landesinnere über Saint Renan führte, anstatt dem Küstenverlauf bis nach Brest zu folgen, was uns ungefähr 15 Kilometer sparte. Auf diesem Weg hatten wir ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten von unserer Wanderung in England – dem Schlamm! Aber es war nur auf einem kurzen Stück und war auf dem überwiegend trockenen Pfad schnell vergessen. Bevor wir in Brest ankamen, der größten Stadt der bretonischen Region Finistère, mussten wir noch fast eine halbe Stunde lang an einem riesigen Marinestützpunkt vorbeilaufen. Ein wunderbarer Regenbogen grüßte uns über der historischen Burg und wir freuten uns darauf, unseren Ruhetag in Brest zu verbringen.
Wie immer nutzten wir alle Annehmlichkeiten einer großen Stadt und machten unsere Wäsche, kauften ein paar Geschenke, die wir an liebe Freunde schickten, bekamen einen Haarschnitt und eine Rasur (natürlich nur José), und gingen abends noch ein paar lokale Biere trinken und etwas schönes essen. Wir hatten auch genug Zeit, um über den nachfolgenden Teil unserer Wanderung nachzudenken und kamen zu dem Schluss, dass es keinen Sinn ergab, der französischen Küste auf dem GR34 zu folgen, sondern dass wir eine kürzere Strecke nach Spanien nehmen sollten. Und welche Strecke könnte kürzer sein als jene, die Tausende von Pilgern nehmen, um nach Santiago de Compostela zu kommen – der Jakobsweg, le Chemin de St. Jacques, el Camino de Santiago! Es war keine leichte Entscheidung, „unseren“ E9 gegen einen anderen Weg zu tauschen, aber es würde uns rund 1000 km (fast zwei Monate) Wanderung sparen.

 

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Statistik

km

12 Länder durchquert
319 Wandertage
89 Ruhetage

Aktualisiert am 11.06.2016 – ANGEKOMMEN IN LISSABON!