Wanderabenteuer von Tallinn nach Lissabon!

South Downs

“The Downs… too much for one pair of eyes, enough to float a whole population in happiness, if only they would look”
(„Die Downs… zu viel für ein Paar Augen, genug um eine ganze Bevölkerung in Glückseligkeit treiben zu lassen, wenn sie nur schauen würden.“)
Virginia Woolf, Tagebücher


Nachdem wir in den ersten Tagen in England entlang der herrlichen weißen Kliffe gewandert waren und den dramatischen Blick auf die Nordsee genossen hatten, dachten wir nicht, dass die South Downs so viel schöner sein würden. Wir hatten uns geirrt. Der weitläufige Nationalpark erstreckt sich über 140 Kilometer durch sanfte Hügellandschaften, wo Schafe auf endlosen saftig grünen Wiesen grasen. Es war ein großes Vergnügen, auf dem South Downs Way ganz oben auf den Hügeln zu wandern, während wir das Meer und die Küstenstädte links von uns und verstreute Ortschaften zu unserer Rechten beobachten konnten. Übrigens ist „Downs“ (wörtlich übersetzt „unten“) nicht das Gegenteil von „oben“, sondern ein altenglisches Wort für „Hügel“. Was ebenfalls zu einer guten Wanderung beitrug, waren die überwiegend trockenen und festen Wege – die für weniger Matsch auf Schuhen und Hosenbeinen gesorgt haben! Ihr könnt eure eigenen Eindrücke von der atemberaubenden Szenerie in der folgenden Gallerie gewinnen:

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Unser Ziel am Wandertag 227 war das hübsche Dorf Alfriston. Zuerst schlenderten wir durch seine engen Gassen und bewunderten die mittelalterlichen Steinhäuser, dann genossen wir köstlichen Kuchen im Gasthof mit angeschlossener Konditorei, wo wir übernachteten.

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Der folgende Tag war ein historischer für diese beiden Coastline-Wanderer: Nicht nur erreichten wir die Marke von gewanderten 4000 km, sondern überquerten auch den Greenwich-Meridian! Von nun an liefen wir in der westlichen Erdhälfte. Nur neun Grad trennten uns von Lissabon, was sich gar nicht so schlecht anhörte. Unser Startpunkt Tallinn war bereits 24 Grad östlich von uns. (Natürlich waren wir immer noch ziemlich nördlich von Portugal.)

An den Tagen 229 und 230 gab es einige ungewöhnliche Ansichten auf unserem Weg: Eine Herde von schwarzen und weißen Schafen, die aus dem Nebel kamen und darin wieder verschwanden, Mittagspause im Unterstand eines Golfplatzes (trotz der mangelnden Sicht und des kühlen und feuchten Wetters tauchten schon bald eifrige Golfspieler auf), schwarze Bullen, die friedlich an ihrer Ration Heu knabberten (wir waren aber dennoch froh, dass ein Zaun zwischen uns und den Tieren war), und ein riesiges Gelände für Freilandschweine (wenn ihr je neugierig wart, wie sie aufgezogen werden, jetzt wisst ihr es).

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Bei unserer Ankunft in Buncton, wo wir ein Zimmer in einer ländlichen Frühstückspension reserviert hatten, gab es eine unschöne Überraschung, die aber zu einem rührenden Erlebnis wurde. Wir beendeten die Wanderung ziemlich früh an jenem Tag und würden erst am späten Nachmittag unsere Unterkunft beziehen können. Wir wussten das im Voraus und hatten bereits den Busfahrplan angeschaut, damit wir zum Mittagessen in die nahegelegene Stadt fahren konnten. Die Pension befand sich mitten im Nirgendwo, aber die Bushaltestelle war gleich vor dem Haus. Gerade als wir aufhörten zu laufen, begann es zu regnen, und es fehlten noch 40 Minuten bis zum nächsten Bus. Unnötig zu erwähnen, dass es keinen Unterstand und keine Bank gab. Zur planmäßigen Zeit sahen wir keinen Bus. Auch zehn Minuten später war er noch nicht da. José schaffte es, das Busunternehmen zu erreichen und wurde informiert, dass der Bus ein technisches Problem hatte und ausfiel. Der nächste Bus sollte gemäß Fahrplan eine Stunde später kommen.
Es war kalt. Es regnete. Moiken wurde langsam hungrig und extrem unzufrieden. José rief sogar zwei Taxiunternehmen an, doch die hatten keine Lust, ein Taxi vorbei zu schicken. Die letzte Möglichkeit war, eine gute Seele davon zu überzeugen, uns mitzunehmen. Zwei schlammige, nasse Wanderer mit riesigen Rucksäcken.
Was danach geschah, lässt uns heute noch darüber nachdenken, ob wir so etwas wie einen Schutzengel haben: Ein kleines rotes Auto kam und hielt an. Die junge Frau bat uns einzusteigen, nachdem sie einen von den Kindersitzen verstaut hatte. Wir quetschten uns in das Auto und Elloa erzählte uns, dass sie bereits vorbei gefahren war und sich dann entschied umzukehren und uns mitzunehmen. Wir hatten ein tolles Gespräch mit ihr, während sie uns in die Stadt fuhr. Leider war sie knapp dran für einen Termin, denn wir hätten uns gern bei einer Tasse heißen Tee noch länger mit ihr unterhalten.

Noch drei Tage lang wanderten wir auf dem South Downs Way, wobei wir eine neue Wanderroutine entwickelten: Da die Wege immer oben auf den Hügeln verliefen, erfreuten wir uns an den meist breiten und trockenen Pfaden, von denen aus wir einen wunderbaren Blick über die benachbarten Täler, Dörfer und das Meer hatten. Um einen Schlafplatz zu finden, mussten wir hinab ins Tal gehen und kurz bevor wir unsere – oft ziemlich elegante – Pension erreichten, durchquerten wir unweigerlich ein schlammiges und feuchtes Wegstück. Daher bestand ein weiterer Teil unserer Routine darin, unsere schmutzigen Stiefel gegen Flip-Flops einzutauschen und den unteren Teil unserer Hosenbeine umzukrempeln, damit wir keine Dreckspur auf dem Teppichboden unserer Gastgeber hinterließen.
Es war ein ungewöhnlich milder Dezember in jenem Jahr, was sehr zu unserem Vorteil war, aber such seltsame Anblicke verursachte, wie ihr an den blühenden Osterglocken unter einem Baum mit Weihnachtsbeleuchtung sehen könnt.

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Unser letzter Aufenthalt auf dem South Downs Way war das Dorf Buriton. Bei zwei Pubs und einem Gasthof sollte es kein Problem sein, ein Bett für die Nacht zu finden. Wir hatten nur nicht damit gerechnet, dass es Samstag war und dort eine Taufe stattfand. Alle Unterkünfte in und um das Dorf waren bereits ausgebucht. Na gut, dann essen wir eben ein spätes Mittagessen im Pub und fahren mit dem Bus nach Petersfield, die nächste größere Stadt – so dachten wir. Es gab viele freie Plätze im Pub, denn die Taufgesellschaft war gerade aufgebrochen. Leider war auch kein Essen mehr übrig, also knabberten wir an einer Handvoll Chips, während wir ein großes Glass Cider tranken. Das war ja nicht so schlimm, schließlich würden wir ja bald im Bus nach Petersfield sitzen, wo wir zu Abend essen und die Nacht verbringen konnten. Der einzige Fehler unseres brillianten Plans war, dass samstags keine Busse von Buriton nach Petersfield fuhren. Die Lösung? Wir liefen weitere 5 km leicht beschwipst auf schlammigen Wegen bis zu unserer Unterkunft. Dafür hatten wir ein herrliches Abendessen und schliefen tief und fest bis zum nächsten Morgen!

Die Tage 234 und 235 unserer Wanderung führten uns weg von den South Downs und näher an die Küste. Plötzlich gingen wir wieder auf flachem Untergrund und schon bald befanden wir uns im Farlington Marschland, einem Naturschutzgebiet östlich von Portsmouth.

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Die Ruhe und Friedlichkeit des Marschlandes wurde schon bald von einer viel raueren Umgebung abgelöst. Wir hatten das offene Meer erreicht, der Regen prasselte und starke Winde machten es uns schwer, vorwärts zu kommen. Wir mussten noch bis Clarence Pier gehen, von wo aus das Luftkissenboot zur Isle of Wight abfährt. Bald nachdem wir das folgende Video gefilmt hatten, das euch einen guten Eindruck von unseren letzten Kilometern gibt, zogen wir die roten Regencapes aus, denn es war besser nass zu werden, als eine furchtbare Aerodynamik zu haben, während wir gegen den Sturm marschierten.

 

Der Blick auf eine Fähre auf dem Weg zur Isle of Wight stellte das Ende unserer Wandertage im Jahr 2015 dar. Weihnachten und Neujahr standen vor der Tür und wir wollten unsere Familien zuhause sehen, bevor wir wieder an die gleiche Stelle zurückkehrten, um auf die Insel zu fahren.

Während wir die Feiertage mit Familie und Freunden in Großbritannien, Deutschland und Portugal genossen, könnt ihr euch mit ein paar von den vielen witzigen – beabsichtigt oder nicht – Schildern amüsieren, die wir entlang unserer Route in England antrafen.

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The Limes: 50.817306, 0.319833
Chestnut B&B: 50.806639, 0.156528
Downs Hotel: 50.836980, -0.075617
South Downs Way B&B: 50.893383, -0.207267
Buncton Manor Farm: 50.910800, -0.371400
The White Horse Pub: 50.927789, -0.608153
Bluebell Inn: 50.951249, -0.751187
The Good Intent: 51.006450, -0.933967
Rowlands Castle BnB: 50.888000, -0.965333
Emilia & Luis: 51.362879, -0.279778
Fernanda & Mark: 51.467342, -0.120850
Bus Portsnouth: 50.785182, -1.100113
Portsmouth Ferry: 50.792906, -1.106207
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Statistik

km

12 Länder durchquert
319 Wandertage
89 Ruhetage

Aktualisiert am 11.06.2016 – ANGEKOMMEN IN LISSABON!