Wanderabenteuer von Tallinn nach Lissabon!

Die weißen Kliffe von Dover

Bevor wir von unserer ersten Woche in Großbritannien erzählen, lasst uns kurz erklären, wie wir auf die verrückte Idee gekommen sind, den Kanal zu überqueren, um in einem Land zu wandern, das für schlechtes Wetter, fades Essen und hohe Preise bekannt ist. Falls es jemand vergessen hat, unser Ziel war es, auf dem E9 zu wandern – dem europäischen Fernwanderweg entlang der Küste von Nord- und Westeuropa. Der E9 bietet die Möglichkeit, anstatt entlang der Nordküste Frankreichs, an der Südküste Englands zu wandern. Da der längste Teil unserer Wanderung sowieso in Frankreich sein würde, beschlossen wir, ein weiteres Land in unsere Route zu nehmen und ca. 700 km in England zurückzulegen.

Wir bestiegen die Fähre nach Dover am Tag 220 und nach anderthalb Stunden relativ ruhiger Überfahrt sahen wir die weißen Kliffe von Dover. Wir hatten dann noch fast eine Stunde Zeit, die Aussicht zu genießen, denn die Fähre musste auf eine freie Anlegestelle warten, bevor wir endlich Fuß auf britischen Boden setzen konnten. Unsere erste Handlung war, einen riesigen Outdoor-Laden aufzusuchen, wo wir ein kleines Vermögen ließen (nennen wir es Investition), um winterfeste Wanderstiefel, superleichte Regenhosen und … eine Thermoskanne zu kaufen. Das sollte helfen, uns durch den kalten und nassen Winter in England zu bringen.
Unsere zweite Handlung war, in einem Pub zu Mittag zu essen. Es war Sonntag und das Tagesgericht war Sunday roast (Sonntagsbraten), begleitet von einem Pint Ale (Bier). Fotos von dieser wunderbaren britischen Tradition gibt es in späteren Artikeln, als wir die Suche nach diesem wöchentlichen Genuss perfektioniert haben.

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Unser erster Wandertag in Großbritannien gab uns einen Vorgeschmack darauf, was uns erwartete: steile Anstiege, schlammige Pfade, Regenschauer; aber auch spektakuläre Aussichten, gute Wegmarkierungen (sogar für den E9) und Sonnenschein. Wir erlebten während des ganzen Aufenthalts in Großbritannien keine winterliche Kälte; es war ein ungewöhnlich milder Dezember und sogar die Regenmenge an der Südküste war unter dem Durchschnitt. Wir beendeten die Wanderung nach 17 km, in der sympathischen Stadt Folkestone. Schließlich trugen wir ja neue Schuhe, die noch eingelaufen werden mussten.

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An den folgenden zwei Tagen machten wir es uns schon nicht mehr so leicht und wanderten ungefähr 30 km pro Tag, bis Moikens Füße aufgaben. Die Landschaft war fantastisch schön, mit weitläufigen grünen Wiesen, naturbelassenen Wäldern und kleinen Flüssen dazwischen. Wir starteten im dichten Nebel und bei leichtem Regen, doch bald öffnete sich die Wolkendecke und die Sonne tauchte alles in goldenes Licht.
Anstelle der üblichen Schaf- und Kuhherden, liefen wir an wilden Tieren vorbei, die einen örtlichen Safaripark bewohnten. Auch unsere Unterkunft war sehr außergewöhnlich: Ein Schäferwagen, vollständig mit Bollerofen und Laternen, der von einer Bauernfamilie als romantisches Plätzchen vermietet wurde. Als besonderen Service stellten sie Gummistiefel zur Verfügung, damit man das Badezimmer am anderen Ende des Feldes erreichen konnte. Wir kochten ein köstliches Abendessen mit Landeiern und Brot auf dem gußeisernen Ofen und genossen selbstgemachte Marmelade und frische Milch zum Frühstück am nächsten Morgen.
Was wir in jenen Tagen nicht schafften, war vor der Abenddämmerung unser Ziel zu erreichen, daher mussten wir oft Gebrauch von unseren Stirnlampen machen. Die kürzesten Tage des Jahres näherten sich und der Sonnenuntergang war gegen 16 Uhr, was uns wenig Zeit ließ, bei Tageslicht zu wandern. Als wir in Rye ankamen (natürlich im Dunkeln!), beeinflussten zwei Dinge unsere Entscheidung, dort einen Ruhetag zu verbringen: Das Städtchen war einfach zu hübsch, um es zu verpassen, und Moikens Fersen waren nach drei Tagen Wanderung in brandneuen Lederstiefeln in einem dermaßen schlechten Zustand, dass sie ihnen eine Pause geben musste.

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Unsere Pension, ein 400 Jahre altes renoviertes Lagerhaus, bot eine beeindruckende Auswahl an Craft-Ales sowie tolle Gerichte an. Unser Vorurteil gegen die britische Küche begann langsam zu bröckeln. Nach einem vollständigen englischen Frühstück, das in anderen Teilen der Welt ein komplettes Mittagessen wäre, zogen wir los, um die Stadt zu erkunden. Rye, ein ehemaliger Seehafen (schwer zu glauben, wenn man die heutige Lage auf der Karte sieht) und Schmugglernest, stellte sich als herrlicher Ort für einen Spaziergang an einem Faulenzertag heraus.

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Am Tag 225 hatten sich Moikens Füße wieder erholt und die 27 km Wanderung bis zur historischen Ortschaft Battle, wo die Normannen im Jahr 1066 die Engländer besiegten, war fast schmerzfrei.

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Am folgenden Tag liefen wir weiter auf dem 1066 Country Walk, durch kleine Wälder (in einem davon gab es einen Weihnachtsbaum, der mit Leckerchen für Hunde dekoriert war!), über Felder und zahllose Zäune, auf engen Straßen und vorbei am herrschaftlichen Schloss Herstmonceux.

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Als wir kurz vor dem Tagesziel unserer Wanderung waren, sahen wir eine ältere Dame, die gerade ausgerutscht war und auf dem Bürgersteig saß, während ihre Einkäufe auf die Straße rollten. Wir halfen ihr auf und schauten, ob ihr nichts passiert sei, was glücklicherweise der Fall war. Um sich zu bedanken, lud sie uns zum Nachmittagstee bei sich zuhause ein, da sie gerade um die Ecke wohnte. Etwas schüchtern betraten wir das Haus der allein lebenden Dame, besonders als wir die Überwachungskameras am Hauseingang bemerkten. Letztendlich verbrachten wir aber einen gemütlichen Nachmittag in Frau Ivys Wohnzimmer, mit heißem Tee, köstlichem Gebäck und einer angeregten Unterhaltung über das Leben.

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Calais Ferry: 50.966192, 1.862697
Dover: 51.127732, 1.331921
St. Albans: 51.125157, 1.305957
Park Inn Hotel Pub: 51.083207, 1.170967
Shepperd's Hut: 51.085333, 0.926368
The Ship Inn: 50.949376, 0.730634
The George: 50.916611, 0.484333
The Limes: 50.817306, 0.319833
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Statistik

km

12 Länder durchquert
319 Wandertage
89 Ruhetage

Aktualisiert am 11.06.2016 – ANGEKOMMEN IN LISSABON!