Wanderabenteuer von Tallinn nach Lissabon!

Brugge und die belgische Küste

Unser Weg durch Belgien hätte so aussehen können: Nach der Sicherheitskontrolle überquerten wir die Grenze, liefen nach Brugge und schauten uns die Stadt an, wanderten die Küste entlang, eine der kürzesten auf unserer Reise, und kamen an der französischen Grenze an. Ende.
Wie ihr euch vorstellen könnt, war es natürlich sehr viel aufregender. Die sieben Tage in Belgien waren vollgepackt mit schönen Landschaften, wunderbaren Wanderungen in bester Begleitung und zwischendurch gaben wir sogar ein Interview für eine Zeitschrift.

Wir verließen Sluis am frühen Morgen von Tag 210 und hatten bald die Grenze erreicht. Wie erwartet, stand ein Transporter mit offiziell aussehenden Männern bei der Schranke über dem Pfad, der den Kanal entlang führte. Also bereiteten wir uns darauf vor, unsere Ausweise zu zeigen und unsere Gründe für die Einreise in belgisches Staatsgebiet zu erklären. Wir näherten uns, doch niemand schien Notiz von uns zu nehmen. Als wir an dem Fahrzeug vorbeigingen, verstanden wir, dass es sich um Mitarbeiter der Stadt handelte, die gerade etwas am Kanal reparierten. Sie waren nicht im Geringsten an uns interessiert und sprachen erst dann mit uns, als wir einen von ihnen baten, ein Foto von uns an der vermuteten Grenzlinie zu machen. Das war alles, wir waren in Belgien angekommen!

Der Damme-Kanal, unter Napoleon gebaut, um einen effizienten Transport seiner Truppen zu ermöglichen, war ein wunderschöner Hintergrund für unsere Wanderung und bot sogar etwas Spiel und Spaß, als wir den Kanal auf einer Selbstbedienungs-Fähre überqueren mussten. Der Wanderweg war hervorragend markiert und auf jedem Schild war vermerkt, dass er Teil des E9 war.


Wir machten Mittagspause in Damme, einer Ortschaft, die im Mittelalter als Hafen für das nahegelegene Brugge diente, und nichts von ihrer alten Pracht eingebüßt hat.

Unser Ziel war es aber, an diesem Tag Brugge zu erreichen, daher gingen wir weiter, bis wir im warmen Nachmittagslicht die Silhouette seiner Häuser sahen. Diese Stadt, die bis zum 16. Jahrhundert unglaublich reich und mächtig gewesen war, geriet 400 Jahre lang in Vergessenheit, bevor sie im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. So blieb der atemberaubende mittelalterliche Stadtkern erhalten. Wir wollten Brugge schon lange einmal besuchen, daher konnten wir nicht wiederstehen und liefen ein paar Kilometer mehr, um die engen Gässchen und prachtvollen Plätze zu bewundern. Erst dann gingen wir zur Jugendherberge, wo wir endlich unsere Rucksäcke abstellen konnten.

Der Aufenthalt in der Jugendherberge wurde von der belgischen Wander- und Fahrradvereinigung Grote Routepaden gesponsert, die von Anfang an Interesse an unserem Projekt hatten und uns auf verschiedene Arten unterstützten. Sie boten uns freundlicherweise an, unsere Unterkunft in belgischen Jugendherbergen auf unserer Route zu organisieren, stellten Kontakt zu einem leidenschaftlichen E9-Wanderer her, der uns an unserem letzten Tag auch begleitete, und trafen uns in Brugge an Tag 211 für ein ausgiebiges Gespräch über unsere Erfahrungen auf dem E9 Fernwanderweg. Es war großartig, Gie Beirnaert, Präsident der Vereinigung, und Peter Cristiaensen, Chefredakteur der Wanderzeitschrift Op Weg, zu treffen. Hier ein paar Erinnerungen an unsere Zusammenkunft:

In den folgenden zwei Tagen hatten wir eine tolle Begleitung: Claude, ein ehemaliger Kollege von Moiken, war aus der Schweiz eingeflogen, um uns für eine Wanderung und etwas Sightseeing in und um Brugge zu treffen. Wir gingen früh von der Jugendherberge los und liefen zu seinem Hotel, von wo aus wir zusammen eine herrliche Wanderung machten, vorbei an Kanälen, Parks, Feldern und kleinen Dörfern. Unser Mittagessen aßen wir in einem sehr überraschenden Gasthaus: In dem winzigen Steinhaus wurden wenige Tagesgerichte und Snacks serviert. Die Speisen, so lecker sie auch waren, dienten allein als Beilage zu einer beeindruckenden Auswahl von 80 belgischen Bieren, 9 davon frisch vom Fass! Leider konnten wir nur insgesamt drei davon probieren, da wir die Wanderung unfallfrei beenden wollten, aber wir denken noch oft voller Sehnsucht an diese Speisekarte mit zehn Seiten nur für die Bierauswahl. In den kommenden Tagen konnten wir noch ein paar mehr dieser fantastischen Biere kennen lernen, schaut mal, wie viele davon ihr kennt:

Als der Wanderteil abgeschlossen war, kurz bevor es richtig anfing zu regnen, nahmen wir einen Bus zurück in die Stadt und genossen ein wunderbares Essen am Abend.
Wir lernten einiges über Brugge auf einer sehr interessanten und kurzweiligen Stadtführung am nächsten Tag.

Am Tag 214 waren wir beide wieder unterwegs. Nach einer weiteren Strecke auf dem Land, bei der der Regen uns während der ersten Tageshälfte komplett durchnässte, erreichten wir das Meer und durch den starken Wind war unsere Kleidung bald wieder vollständig getrocknet!
Wir folgten einem guten Wanderweg durch die Dünen – einen Versuch, am Strand zu laufen, mussten wir wegen des Sturms bald wieder abbrechen – und nahmen all unseren Mut zusammen, um ein kleines Fährboot zu besteigen, die uns zum Zentrum von Ostende auf der anderen Seite des Hafens brachte. Die kurze Überfahrt verlief gut und wir konnten uns bald in einer modernen Jugendherberge ausruhen, die die belgischen Wanderer für uns gebucht hatten. Unsere Freundin Gigi kam am Abend an, um uns während der nächsten Tage Gesellschaft zu leisten.

11 AM/ 11 Uhr/ 11 horas

Unsere fröhliche Wandergruppe wurde von Tag zu Tag größer. Auf dem Weg nach Nieuwpoort, liefen Gigi, José und Moiken zuerst durch die Hafenstadt Ostende und bewunderten die prächtigen, etwas heruntergekommenen Königlichen Galerien am Nordseestrand, bevor wir uns fragten, wer wohl die Erlaubnis gab, direkt an der Promenade riesige Wohnblocks zu bauen, die den Strand die meiste Zeit des Tages im Schatten hielten. Dann folgten wir dem Weg durch einen grünen Park, wellige Dünen und entlang eines der vielen Kanäle in Belgien. Dieser, zusammen mit dem Hauptfluss Yser und einer Handvoll weiterer Kanäle, die in dieselbe Bucht fließen, spielte ein strategische Rolle während des ersten Weltkriegs, als das Gebiet überflutet wurde, um eine Besetzung ganz Belgiens durch die Deutschen zu verhindern. Keine Überflutung störte unsere Wanderung, im Gegenteil, wir kamen in Nieuwpoort bei herrlichem Sonnenschein an. Wir machten ein kleines Picknick am malerischen Kai an der Yser und gingen die letzten paar Kilometer bis zu unserer Unterkunft. Zum Abendessen mussten wir die gleiche Anzahl Kilometer wieder zurück zum Kai laufen, da sich dort alle Restaurants befanden. Nur wenige davon hatten am ersten Dezembertag geöffnet, so dass wir uns riesig freuten, als wir eine sympathische Pizzeria fanden. Dort trafen wir auch unseren anderen Mitwander, Bart. Er hatte schon lange unsere Abenteuer verfolgt und es machte ihm nichts aus, einige Stunden zu fahren, um uns einen Tag lang zu begleiten.


Bart hat bereits mehr als 2.500 km auf dem E9 zurückgelegt, überwiegend in den Ländern, die noch vor uns lagen, und es war ein großes Vergnügen, dieses kleine Stück des Fernwanderwegs gemeinsam zu machen. Wir hatten einen tollen Tag zusammen, mit viel Sonnenschein, Wandern auf dem Strand und durch die Dünen und natürlich ein paar köstlichen Bieren zum Abschluss.
Wir verabschiedeten uns von ihm, unsere Freundin Gigi war noch einen Tag länger da, um uns bis zur französischen Grenze zu begleiten.

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Pension Hof van Sluis: 51.306974, 3.389665
Europa Hostel: 51.194315, 3.233349
Meetkerke: 51.239289, 3.160833
Oostende Ferry: 51.234211, 2.927006
Oostende: 51.232212, 2.923195
De Ploate Hostel: 51.233395, 2.918052
Ter Nies: 51.140804, 2.729604
Parkhotel: 51.099228, 2.587241

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Statistik

km

12 Länder durchquert
319 Wandertage
89 Ruhetage

Aktualisiert am 11.06.2016 – ANGEKOMMEN IN LISSABON!