Wanderabenteuer von Tallinn nach Lissabon!

Dünen, Windmühlen und das Delta

Die letzten zehn Tage in den Niederlanden waren so etwas wie eine Zusammenfassung von dem, was wir bis dahin gesehen und erlebt hatten: Schöne Dünenlandschaften, lange Strände, beeindruckende Dämme und Sperrwerke und die hübschesten kleinen Ortschaften entlang des Weges. Unsere Energiespeicher waren nach der Pause in Amsterdam wieder aufgefüllt und wir wanderten im Durchschnitt 25 Kilometer am Tag, manchmal knapp 30. Wie man es im November nicht anders erwarten konnte, mussten wir ziemlich oft unsere Regensachen benutzen und liefen ab und zu gegen den Sturm, doch zum Glück hatten wir auch freundliche Sonnentage in gleicher Anzahl. Unsere Zeit in den Niederlanden endete an der belgischen Grenze mit einer völlig anderen Landschaft.

Am Tag 200 unserer Wanderung waren wir zurück in Katwijk, wo wir einen ganz speziellen Wanderbegleiter trafen. Rob Franssen, Sekretär der holländischen Wandervereinigung Wandelnet und ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrats der EWV (Europäische Wandervereinigung), wanderte einen Tag mit uns. Er teilte seine zahlreichen beeindruckenden Wandererfahrungen, viele gute Tipps und frisch gebrühten Kaffee mit uns. Wir liefen durch ein riesiges Dünengebiet, bevor wir Den Haag erreichten, den Regierungssitz der Niederlande. Der Regen, der sich den ganzen Tag zurückgehalten hatte, beschloss genau dann auf uns niederzuprasseln, als wir in der Stadt ankamen, so dass unser Abschiedsfoto etwas nass ausfiel.

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Den Haag ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Am Nachmittag unserer Ankunft und am nächsten Vormittag, als wir die Stadt durchquerten, sahen wir nur einige der wunderschönen Gebäude und Orte, an denen Geschichte geschrieben wird, aber wir werden sicher eines Tages zurück kommen, um mehr zu sehen!
Wir gingen weiter und hatten bald die Küste erreicht, wo ein angenehmer Pfad uns durch die Dünen von einem Badeort zum nächsten führte. Wir beendeten den Tag mit einem tollen Essen mit Hagay, ein ehemaliger Arbeitskollege von José, der in den Niederlanden wohnt.

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Am Tag 202 hatten wir eine einfache Wanderung, meist auf flachen Pfaden durch die Dünen und vorbei an einer riesigen Anzahl von Glashäusern – irgendwo müssen die holländischen Tomaten und Gurken ja wachsen! Wir kamen in Hoek van Holland am frühen Nachmittag an, so dass wir noch genug Zeit hatten, die riesigen Containerschiffe zu beobachten, die den Hafen von Rotterdam verließen, bei einem chinesischem Restaurant im Fährterminal zu Mittag zu essen und die Anzahl an europäischen Fernwanderwegen zu studieren, die durch die Stadt führten.

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Während der folgenden drei Tage wanderten wir überwiegend durch landwirtschaftliche Gebiete, entlang und über Wasserwege (dank Fährlinien, Brücken und Dämmen, die uns viele Kilometer sparten!) und durch entzückende Städtchen mit kleinen Kanälen, die mitten durch die Ortschaft oder außerhalb der Festungsmauern flossen, um sie in vergangenen Zeiten vor Feinden zu schützen. Wenn wir an der offenen See liefen, bauten sich oft dunkle und schwere Wolken über uns auf und veranlassten uns zu berechnen, wie schnell wir unsere Regenumhänge greifen und sie uns überwerfen könnten. Mit etwas Übung brauchten wir etwa zwei Minuten, um uns beide zu schützen. So schnell wie die Regenwolken auftauchten, zogen sie wieder weg und machten Platz für die Sonne, die herrliche Lichteffekte schaffte. Es war an einem dieser sonnigen Momente, nach einem besonders heftigen Regenschauer, dass wir eine Wandergruppe bemerkten und es schafften, indem wir einen Zahn zulegten, sie einzuholen. Sie sind eine fröhliche Gruppe von vier Damen, die alle paar Wochen einige Tage freinehmen, um zusammen Abschnitte der Fernwanderwege zu laufen. Es hat großen Spaß gemacht, uns mit ihnen zu unterhalten, gemeinsam Pause zu machen in einem warmen und trockenen Café in der Mitte des Weges und den Browersdam als Gruppe zu überqueren, wo wir sehr starkem Wind und mehr Regen trotzten. Unser Gruppenfoto zeigt gut die Freude und Energie dieser Damen, egal bei welchem Wetter!

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Tag 206 begann mit wunderschönem Sonnenschein und einem guten Stück auf dem Strand, mehr kann man sich nicht wünschen! Wir gingen weiter durch ein Naturschutzgebiet in den Dünen mit sehr guten Rad- uund Wanderwegen, bis wir den ersten Abschnitt der Oosterscheldekering erreichten, ein gewaltiges Sperrwerk, das Teil der Deltawerke ist, gebaut, um die Niederlande für lange Zeit vor Sturmfluten zu schützen. Hier mussten wir eine Entscheidung treffen: Unser Hotel war auf dem Festland, nur 2 km entfernt. Wir könnten die Wanderung für den Tag beenden und uns in unser Zimmer zurückziehen, oder wir könnten noch fünf Kilometer auf dem Sperrwerk laufen, einen Bus zurück in den Ort nehmen und am nächsten Tag auf dem gleichen Punkt wieder losgehen. Da wir damit rechneten, dass sich die dunklen Wolken noch etwas benehmen würden, wählten wir die zweite Möglichkeit.
Die Wolken hatten sich tatsächlich benommen und der Bus kam auch wirklich zur Haltestelle mitten im Nichts, so dass wir am folgenden Tag fünf Kilometer weniger zu laufen hatten. Das Wetter hatte sich wieder zum Besseren gewandelt und wir konnten schöne Fotos von dem Sperrwerk machen, wo wir eine ganze abgegrenzte Spur für uns alleine hatten, und den Blick vom anderen Ufer der Bucht genießen. In der Nähe von Domburg, unserem Tagesziel, gingen wir an einem gut erhaltenen mittelalterlichen Schloss vorbei. Wenn es ein Wochenende gewesen wäre, hätten wir dort die Nacht verbringen können, denn es dient jetzt als … Jugendherberge!
Am Ende des Tages hatten wir einen besonderen Besucher: Piet, ein alter Freund von Moiken, war mehr als 200 km gefahren, um mit uns ein Bier in Domburg zu trinken!

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Als wir diesen schönen Strandort am Tag darauf verließen, kam nicht wirklich Strandstimmung bei uns auf. Der Tag begann grau und bewölkt und bald regnete es heftig von allen Seiten – dank dem Wind. Wir folgten unbeeindruckt der Küste, doch als wir in der nächsten Ortschaft ankamen, waren wir mehr als froh, ein offenes Café zu finden und einen heißen Tee zu genießen, während unsere Handschuhe und Jacken über der Heizung trockneten. Als der Regen nachließ, gingen wir los und stiegen auf einen Deich, auf dem wir weiterlaufen wollten. Es dauerte nicht länger als zwei Minuten, in denen der Sturm uns beinahe wegblies, um unsere Meinung zu ändern und wieder herunter zu kommen. Nun schützte uns derselbe Deich vor dem Wind und wir konnten vorwärts gehen in Richtung Vlissingen, dem vorletzten Aufenthalt in den Niederlanden. Glücklicherweise schwächte der Wind im Verlauf des Tages etwas ab, so dass wir die Aussicht von den schönen Kliffs typisch für diesen Teil der Nordseeküste genießen konnten.
Wenn ihr eine Veränderung in Josés Gesicht bemerkt habt, hier ist die Erklärung: Es fehlten noch zwei Tage bis zum Überqueren der belgischen Grenze und wir rechneten damit, dass wir dieses Mal angehalten würden – es hatte schreckliche Anschläge in Frankreich gegeben und es wurde vermutet, dass die Terroristen aus Belgien kamen, daher waren alle Grenzen für Sicherheitskontrollen geschlossen. Mit Josés wildem Bart könnten die Kontrollen etwas gründlicher ausfallen, deshalb beschloss er, ihn abzurasieren.

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An unserem letzten Tag in den Niederlanden, Tag 209 unserer Reise, schien die Sonne hell und wir hüpften auf die Fähre zur anderen Seite der Scheldemündung, was eine ziemlich gute Art ist, einen Wandertag zu beginnen. Wir näherten uns der niederländisch-belgischen Grenze und als wir sie erreicht hatten, folgten wir dem alten und neuen Grenzverlauf noch ungefähr 10 km, bis wir in Sluis waren. Diese holländische Stadt mit belgischer Seele ist ein Kleinod, umgeben von einer perfekt erhaltenen Festung, die wir natürlich vollständig ablaufen mussten. Sie ist auch für ihre erstklassigen Restaurants bekannt, aber wir versuchten, uns nicht verführen zu lassen, und wählten ein einfaches und gutes Lokal. Bei einem schönen Glas Wein konnten wir unsere Erinnerungen an den Monat in den Niederlanden sowie unsere Erwartungen an das nächste Land auf unserer Wanderung teilen.

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Katwijk: 52.202792, 4.392285
Easy Hotel: 52.082534, 4.309151
Duinzicht: 52.115904, 4.288216
Monster: 52.038826, 4.190370
B&B Merope: 51.980587, 4.137734
Maassluis Ferry: 51.915029, 4.249274
Rozenburg: 51.911415, 4.243166
De Zalm: 51.902547, 4.165149
De Gouden Leeuw: 51.818346, 3.977771
Ressort Land Zee: 51.738117, 3.818007
Ter Duin Hotel: 51.683471, 3.721524
Neeltje Jans: 51.639334, 3.711961
Duinlust: 51.565578, 3.498151
B&B de Muynck: 51.450557, 3.579351
Pension Hof van Sluis: 51.306974, 3.389665
Vlissingen: 51.444192, 3.598257
Breskens: 51.401805, 3.548694

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Statistik

km

12 Länder durchquert
319 Wandertage
89 Ruhetage

Aktualisiert am 11.06.2016 – ANGEKOMMEN IN LISSABON!