Wanderabenteuer von Tallinn nach Lissabon!

Hochsaison

Der Ferienmonat August war in vollem Gang, polnische Urlauber strömten an die Strände, um den heißen Sommer zu genießen und wir waren auf dem Weg an die Ostseeküste. Es wurde immer schwieriger, eine Unterkunft zu finden und in der Nähe der Küstenorte war es nicht möglich, am Strand zu laufen, weil es dort viel zu voll war.
Seit wir in Polen wanderten, folgten wir lokalen Wegen, die zum E9 gehören. An den Tagen 102 bis 108 unserer Wanderung führten sie uns im Zickzack zwischen den Stränden und dem Hinterland hin und her, deshalb sind die Ansichten von jenen Tagen sehr unterschiedlich:

Nach der dreitägigen Pause begannen wir unsere Wanderung in Mrzezino. Bald liefen wir wieder entlang der Küste; mit großartigem Blick auf das ruhige Gewässer der Bucht von Puck mit der langgestreckten Halbinsel Hel im Hintergrund. Wir erreichten Puck, ein niedliches Städtchen mit buntem Strandleben und einem hübschen Marktplatz. Später fanden wir heraus, dass der deutsche Name von Puck „Putzig“ ist – Nomen est Omen.

Von Puck aus gingen wir weiter Richtung Ostsee am Tag 103. An diesem Tag hatten wir Treffen mit großartigen Menschen und bekamen eine Einführung in polnische Küstenstädte zur Sommerzeit, aber machen wir einen Schritt nach dem anderen.
Nach ein paar Kilometern mussten wir eine stark befahrene Straße überqueren, um zum Radweg auf der anderen Seite zu gelangen. Während wir noch auf den richtigen Moment warteten, hielt ein Radfahrer an, um auf uns zu warten. Wir hatten ein nettes Gespräch mit Mateusz, der auf seinem Weg zur Arbeit war, aber das verrückte Wanderpärchen kennen lernen wollte.
Dann gingen wir alle unserer Wege und als wir durch ein kleines Dorf wanderten und gerade die Dorfkirche fotografierten, rief uns ein Herr aus seinem Garten. Wir einigten uns rasch, dass unsere gemeinsame Sprache Deutsch war und Herr Józef lud uns in sein Haus für ein Glas Saft und eine unglaubliche Geschichtsstunde ein. Anhand von Fotoalben und vielen Zeitdokumenten nahm er uns mit auf eine Reise durch sein Leben unter deutscher, russischer und polnischer Regierung; als Soldat im zweiten Weltkrieg an verschiedenen Orten in Europa und Afrika; bis hin zum Leben seiner Kinder und Enkel im demokratischen Polen.

Zurück in der Gegenwart setzten wir unsere Wanderung fort und trafen kurz darauf ein sympathisches Paar, das mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hel war (das Wortspiel funktioniert nur auf Englisch).

Etwas später, im überlaufenen Strandort Władysławowo, war wirklich die Hölle los: Menschenmengen in den Straßen, am Strand stritten sich die Leute fast um einen Platz – und wir mit unseren großen Rucksäcken versuchten durchzukommen.

Als wir es geschafft haben, das andere Ende der Stadt zu erreichen, trafen wir zum ersten Mal einen polnischen Wanderer. Mark lief die polnische Küste von der anderen Richtung her entlang und gab uns ein paar gute Tips, was uns auf dem Weg noch erwartete.

Am Abend erreichten wir den etwas ruhigeren Küstenort Jastrzębia Góra, wo wir einen Platz für unser Zelt auf einem Campingplatz fanden.

Der E9 führte uns am Tag 104 wieder weg vom Strand und wir wanderten noch einmal durch Wälder und an Feldern entlang. Wir erreichten das idyllische Städtchen Krokowa und da es unser 6. Jahrestag war, wollten wir diesen in großem Stil feiern und fragten nach einem Zimmer im Schloss! Die Dame an der Rezeption zuckte nicht mit der Wimper, als sie zwei Rucksackreisende in der Empfangshalle ihres noblen Hotels sah und bot uns das letzte freie Zimmer an. Wir berechneten schnell, wie viele Nächte im Zelt nötig waren, um das Budget wieder ins Gleichgewicht zu bringen, und entschieden uns für das Schloss.
Hier ein paar Eindrücke vom Schloss Krokowa:

Am nächsten Tag fanden wir den Anfangspunkt vom Szlak Nadmorski, einem rot-weiß markierten Küstenwanderweg, der uns zurück ans Meer und über 378 km bis zur Grenze mit Deutschland führen würde!

Wir genossen den gut markierten Weg an der Küste und durch ruhige Wälder. Die Ruhe wurde immer dann unterbrochen, wenn wir durch die vollen Strandorte laufen mussten, in denen in unzähligen Buden Waffeln und Eis, Fast Food, Räucherfisch, Strandartikel und alle mögliche Kleidung verkauft wurden. Am Abend hatten wir die Wahl zwischen Pizza (die günstige Wahl) und gebratenem Fisch (der nach Gewicht verkauft wurde, so dass wir nie wussten, wie hoch die Rechnung ausfallen würde – oft höher als erwartet) mit surówka, einer leckeren Mischung von Krautsalaten.

Wir brauchen wohl kaum zu erwähnen, dass wir in den folgenden zwei Nächten im Zelt auf mehr oder weniger netten Campingplätzen geschlafen haben.

Den Tag 107, wie viele andere Wandertage an der polnischen Küste, begannen wir mit einem süßen (Moiken) und salzigen (José) Brot, das wir an einer kleinen weißen Hütte kauften, in der ein Verkäufer gegen Dutzende von Wespen kämpfte, die um die süßen Kuchen herumflogen. Unser Ziel war Łeba und wir freuten uns schon auf einen Ruhetag am folgenden Samstag, Tag 108. Wir kamen am Nachmittag eines strahlenden Sommertags an und klopften an die Tür von nahezu jeder pokoje (Zimmervermietung) in Łeba, ohne Erfolg. Also entschieden wir, uns erstmal zum Mittagessen hinzusetzen und dann unsere Wunderwaffe José loszuschicken, um eine Unterkunft zu suchen. Er entdeckte ein winziges Ferienhäuschen im Hof eines Hauses an der Hauptstraße. Der Vermieter sprach kein Wort Englisch, aber konnte uns erklären, dass wir zu einer bestimmten Uhrzeit die Dusche in der Ferienwohnung eines anderen Gastes benutzen konnten. Später fanden wir heraus, dass das ganze Land an diesem Wochenende ans Meer fuhr, da es einen Feiertag gab und das Wetter außerordentlich gut war.
Wir nutzten unseren Ruhetag zum Entspannen, für einen Rundgang durch den Ort, um unsere Bäuche zu versorgen und die Menschenmassen in den Straßen und am Hafen zu bestaunen. Schon bald sollten wir wieder absolute Ruhe und Frieden finden …

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Mrzezino: 54.653092, 18.413105
Kapitanska Pokoje: 54.713545, 18.415146
Naskarpie Markowska: 54.833035, 18.321896
Zamek Krokowa: 54.776988, 18.163317
Relax Camping: 54.817459, 17.956238
Stilo Camping: 54.782375, 17.743228
Kosciuszki 70: 54.757189, 17.557184

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Statistik

km

12 Länder durchquert
319 Wandertage
89 Ruhetage

Aktualisiert am 11.06.2016 – ANGEKOMMEN IN LISSABON!