Wanderabenteuer von Tallinn nach Lissabon!

In Gdansk und um Gdansk herum

Am Tag 86 begann eine Zeit, in der wir Gdansk und die Dreistadt (Gdansk, Sopot und Gdynia) umkreisten – während 9 Wander- und 7 Ruhetagen. Wir fuhren mit dem Zug von Elbląg nach Gdansk und blieben sechs Tage in der Stadt. Während wir unsere Basis noch in Gdansk hatten, machten wir schon die ersten Wanderversuche nach Josés Fußbehandlung, beginnend von Krynica Morska auf der Frischen Nehrung. Wir kamen am Tag 93 wieder nach Gdansk, diesmal zu Fuß, und wanderten weiter Richtung Norden durch Feld und Wald im Gebiet der Dreistadt. Als wir uns am Tag 98 der Ostseeküste schon ziemlich genähert hatten, machten wir drei Tage Pause in der Nähe von Gdynia. Wir hatten das Vergnügen, einen Tag mit Josés Arbeitskollegen Piotr und seiner Familie zu verbringen, dann holten wir am Flughafen Josés Bruder Jorge ab, der uns am heißesten Wochenende des baltischen Sommers besuchen kam. Während dieser Zeit übernachteten wir im Haus von einem anderen Piotr, ebenfalls Josés Kollege, der zu unserem Glück in jenen Tagen in Polen war.
Alles klar? Nein? Dann müsst ihr wohl die lange Version von unseren Abenteuern in Gdansk und um Gdansk herum lesen.

In den ersten Tagen in Polen hatten wir gemerkt, dass wir etwas wegen Josés Fuß unternehmen mussten, ansonsten würden wir ein vorzeitiges Ende unseres Wanderabenteuers riskieren. Gdansk erschien uns dafür gut geeignet, da wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden konnten. Wir hatten Zeit, diese wunderschöne Stadt zu entdecken, während wir einen Arzttermin organisierten. Wir kamen in Gdansk an einem regnerischen Samstag an. Von Sonntag bis Freitag hatten wir eine Ferienwohnung gebucht, also mussten wir nur einen Tag überbrücken. Wir hatten keine Ahnung, dass dies eines der vollsten Wochenenden des Jahres war. Die Sommerferien hatten begonnen und Polen sowie Ausländer stürmten in die Stadt, um den St. Dominik Jahrmarkt zu besuchen, eines der größten Ereignisse in Europa – gleich nach dem Oktoberfest in München. Also stiegen wir die Treppen von jedem Hostel auf unserem Weg hinauf und erfolglos wieder hinunter, da alle völlig ausgebucht waren. Wir kamen zu einem Hostel, vor dem uns ein brasilianischer Rucksacktourist mitteilte, dass er gerade den letzten Platz bekommen hatte, aber wir wollten es trotzdem versuchen. Die Dame musterte uns gründlich (wahrscheinlich schätzte sie unser Alter und wirtschaftliche Situation ein), bevor sie uns mitteilte, dass wir das letzte Doppelzimmer haben konnten – zu einem astronomischen Preis, doch zu dem Zeitpunkt waren wir froh, überhaupt ein Zimmer zu bekommen.
Sobald die Rucksäcke verstaut waren, zogen wir los, um durch die Altstadt zu spazieren und die schöne Architektur zu bewundern. Wir genossen auch die lebhafte Atmosphäre von Tausenden von Menschen, die durch die engen mittelalterlichen Gassen liefen, und Hunderten von Ständen, die Speisen und Kunsthandwerk jeder erdenklichen Art anboten.
Diese Eindrücke von Gdansk wurden an verschiedenen Momenten unserer vielen Besuche in der Stadt fotografiert:

Am nächsten Tag bezogen wir unser Basislager für die folgenden 6 (!) Tage. Die Wohnung war richtig toll: 20 Minuten mit der Straßenbahn bis ins Stadtzentrum, in der Nähe von einem großen Einkaufszentrum und komplett eingerichtet von der Küche bis zum Wohnzimmer. Und es gab eine Waschmaschine! Das einzige was fehlte war WLAN, also gingen wir zum nahegelegenen Shopping Center, wo wir den Blog aktualisieren und erfahren konnten, was so in der Welt passierte.
José hat gleich am Montag einen Termin mit einem Englisch sprechenden Orthopäden bekommen. Die Diagnose war plantar fasciitis und er verschrieb ein Medikament und orthopädische Einlagen, die den Schmerz reduzieren und hoffentlich ganz stoppen sollten. Am Dienstag ging José noch einmal, um die Einlagen in seine neuen Wanderschuhe einpassen zu lassen – die Sohlen der alten Schuhe waren auf einer Seite schon abgelaufen, was das Problem verschlimmern würde.

Moiken wurde schon ganz unruhig und schlug vor, das Ergebnis der Behandlung gleich am nächsten Tag zu testen. Wir waren noch in der Wohnung in Gdansk, also mussten wir nur unsere Tagesrucksäcke mitnehmen, in einen Bus steigen und konnten mit einfachen 10 km Wanderungen auf der Frischen Nehrung beginnen. An jeder Stelle konnten wir den Bus zurück nach Gdansk nehmen, da er im Sommer jede Stunde fuhr. Zu unserer Erleichterung hatten die Medikamente und die Einlagen einen guten Effekt und José konnte ohne Schmerzen jeden Tag ein bisschen mehr wandern. Naja, nicht ganz, denn er lief seine neuen Schuhe ein und die verursachten am Anfang noch Blasen.

Der Wanderweg gehörte zum E9, nur dass wir in Krynica Morska nicht mit dem Schiff von Elbląg, sondern mit dem Bus aus Gdansk ankamen. Von dort folgten wir dem markierten Weg, der überwiegend durch den Wald führte, nur ab und zu bekamen wir das Meer oder das Frische Haff zu sehen.

Am Freitag, Tag 92 unserer Wanderung, zogen wir aus der Wohnung aus und begannen einen weiteren Wandertag auf der Frischen Nehrung, diesmal wieder mit unseren Rucksäcken. Wir erreichten Orle nach einer harten Wanderung – Josés neue Schuhe widerstrebten sich gegen das Einlaufen und die Blasen plagten ihn sehr.

Um unsere Route am Tag 93 zu erklären, müssen wir eine Zeichnung zu Hilfe nehmen:

Wir gingen bis Mikoszewo, den letzten Ort auf der Frischen Nehrung und nahmen eine Fähre nach … Gdansk! Noch nicht das Zentrum von Gdansk, das war noch 40 km entfernt, aber zum Ortsteil Świbno auf der Sobieszewo Insel. Von dort aus liefen wir auf einem schönen Waldweg entlang der Küste zum anderen Ende der Insel, genannt Gorki Wschodnie. Leider gab es dort weder eine Brücke noch eine Fähre, um die 500m zum anderen Ufer zu überqueren, so dass wir einen Bus zurück nach Gdansk nehmen mussten. Nach 40 Minuten Busfahrt waren wir wieder zurück in der Stadt, aber hatten unsere Wanderung noch nicht beendet. Da wir wieder an einem Samstag in Gdansk waren, beschlossen wir, erst nach einer Unterkunft zu suchen, bevor wir den letzten Teil der Wanderung in Angriff nahmen. Glücklicherweise fanden wir ein Hostel mit zwei freien Betten und checkten dort ein. Dann nahmen wir einen anderen Bus, der uns nach weiteren 40 Minuten zur anderen Seite des Flusses, Gorki Zachodnie, brachte. Von dort führte uns ein weiterer markierter Wanderweg zum Stadtstrand von Gdansk, Stogi Plaža; wahrscheinlich der einzige Strand mit blauer Flagge, der direkte Sicht auf ein riesiges Industriegebiet hat. Wir liefen noch ein Stück parallel zur Küste und durch einen Wald, bis der Weg an einer Straßenbahnhaltestelle endete. Der E9 begann erst wieder auf der anderen Seite von Gdansk, also nahmen wir die Straßenbahn in die Stadt, um für den nächsten Wandertag fit zu sein, …

… der mit einer großen Überraschung begann: Gleich hinter dem hektischen Hauptbahnhof von Gdansk war es grün und ruhig. Wir stiegen auf einen Hügel, auf dem die Preußen vor 150 Jahren eine Festung gebaut hatten, und genossen die herrliche Aussicht auf die Stadt.


Bald wanderten wir in dichten Wäldern und nach vielem Auf und Ab erreichten wir nach 20 km – Gdansk! Nach all dem Laufen waren wir gerade einmal in einem der Außenbezirke, Oliwa, angekommen. Ein ruhiges Stadtgebiet mit vielen Bäumen, Parks und jahrhundertealten Gebäuden, in dem sich außerdem noch das beste pierogi Restaurant von Polen befand!

Während der folgenden vier Tage wanderten wir über 80 km auf dem E9 auf verschiedenen lokalen Wegen, ohne dass wir uns merklich der Küste näherten. Wir waren zwar nicht mehr in Gdansk, aber immer noch im Gebiet der Dreistadt. Wir beendeten die Tour in Mrzezino, wo wir vier Tage später die Wanderung fortsetzten.

Doch zuerst konnten wir drei Ruhetage in hervorragender Gesellschaft genießen. Piotr M (um ihn von Piotr J zu unterscheiden, den wir zwei Tage später trafen) holte uns am Endpunkt unserer Wanderung am Tag 98 ab und zusammen mit seiner Mutter fuhren wir zum Ferienhaus seiner Schwiegereltern, in der Nähe eines idyllischen Sees. Es war der vorletzte Tag in Polen von ihm und seiner Frau Ewa, deshalb wurde eine nicht enden wollende Zahl von hausgemachten Gerichten aufgetischt, für die beiden, ihre Freunde aus Berlin und diese zwei glücklichen Wanderer. Wir verbrachten den ganzen Abend mit Essen, Reden und Probieren von den köstlichen Likören, die Ewas Vater herstellt. Was für ein tolles Erlebnis!

Den nächsten Tag begannen wir mit einem entspannten Frühstück mit Piotr M, Ewa und ihren deutschen Freunden, bevor Piotr uns zum Flughafen brachte, wo wir auf die Ankunft von Jorge warteten. Josés Bruder war ein paar Tage in England gewesen und die Hitzewelle, die Polen an dem Wochenende erreichte, war eine angenehme Überraschung für ihn. Josés anderer polnischer Kollege Piotr (J) hatte uns netterweise angeboten, in seinem Haus in Gdynia zu bleiben, obwohl er die meiste Zeit nicht selbst da war. Nicht nur, dass wir nicht nach bezahlbaren Unterkünften im überlaufenen Gdansk zu suchen brauchten (der St. Dominik Jahrmarkt lief immer noch), sondern wir übernachteten auch in einem schönen Haus, mit guter Verkehrsanbindung zur Dreistadt. Es war ein gutes Gefühl, die Rucksäcke auszupacken, ohne sie gleich am nächsten Tag wieder einräumen zu müssen. Sobald wir uns eingerichtet hatten, gingen wir los, um Jorge Gdansk zu zeigen. Wir fuhren mit dem Zug in die Stadt und stiegen in Oliwa aus, um ihn – ihr habt es erraten! – zum besten pierogi Restaurant in Polen zu bringen. Bei Temperaturen, die selbst nach Sonnenuntergang nicht unter 30 Grad lagen, schlossen wir uns der Menge auf dem St. Dominik Jahrmarkt und in den alten Straßen von Gdansk an. Um einen Eindruck von der Anzahl von Menschen zu bekommen, die sich auf dem Jahrmarkt vergnügten, schaut euch diese Bilder an:

Der folgende Tag war ein Samstag und der Wetterbericht kündigte Rekordtemperaturen an. Gut, dass wir nur eine Busfahrt entfernt von Sopot waren, einem beliebten Badeort in der Dreistadt. Als wir ankamen, fielen uns zuerst die gut erhaltenen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert auf sowie eine irgendwie elegante Atmosphäre. Wir beschlossen, darin einzutauchen, indem wir unser Frühstück in einem stilvollen Café an der Hauptpromenade einnahmen. Dann gingen wir zum Strand. Die gutsituierten Gäste des traditionellen Grand Hotel genossen ihren Strandtag getrennt vom Rest, und nippten an gekühlten Getränken unter weißen Sonnenschirmen. Wir Normalsterblichen gesellten uns zur Menge, die fast jeden Quadratmeter des 2 km langen Sandstrands belegte. Wir fanden einen schönen Platz und kühlten uns im blauen Wasser der Ostsee ab. Es war ein großartiger Tag, der noch besser endete. Wir gingen am Nachmittag einkaufen und hatten ein schönes Abendessen mit Piotr J, der nach seinen Familienbesuchen nach Hause kam. Später fuhr er mit uns nach Gdynia, wo wir einen milden Sommerabend bei einem kühlen Bier am Strand genossen.

Wir hatten noch einen Tag zusammen mit Jorge, da sein Flug erst spät am Sonntag war und Piotr freundlicherweise angeboten hatte, uns zum Flughafen zu fahren. Wir fuhren noch einmal nach Gdansk, diesmal wirklich zum letzten Mal! Auf unserem Weg hatten wir eine angenehme Überraschung: Wir trafen ein Paar aus Portugal, Fiama und Paulo, die gerade ein Erasmus Semester in Polen machten und genau an dem Tag Gdansk besuchten!

Wir drehten eine Runde in der Stadt und fanden endlich Bernstein – im Bernsteinmuseum, das sich im Stockturm, dem früheren Gefängnisturm, befindet:

Am Tag 102 war die Zeit gekommen, uns von Piotr, Gdansk und der Dreistadt zu verabschieden, da wir nun wirklich auf dem Weg zur polnischen Küste waren – mitten in der Hochsaison!

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Elblag Bus: 54.178101, 19.398352
Apartament AirBnB Gdansk: 54.403733, 18.603473
Krynica Morska: 54.378260, 19.446500
Skowronki: 54.352048, 19.292296
Stegna: 54.326534, 19.118958
Camping Nr 69 Orlinek: 54.344902, 18.872108
Ferry Mikoszewo: 54.332714, 18.942833
Swibno: 54.333293, 18.936760
Gorki Wschodne Bus stop: 54.350867, 18.790827
Gorki Zachodnie: 54.354773, 18.782072
Stogi: 54.362304, 18.715489
High 5 Hostel: 54.354085, 18.659689
Apartament w Oliwe: 54.408910, 18.557754
Morski Hotel: 54.500820, 18.465000
Bialy Dworek: 54.563680, 18.392187
Tawerna: 54.601713, 18.243716
Piotr M. and Ewa: 54.767017, 18.335581
Piotr J.: 54.473948, 18.455465
Mrzezino: 54.653092, 18.413105

2 Responses to In Gdansk und um Gdansk herum

  1. Hi – I live in the US and will be traveling to Gdansk for work soon. I would like to stay a couple of extra days to hike and explore around the area, but I would be solo and I only speak English. Would you be willing to answer some questions I have about how I might plan this out? I cannot find very much detail online. Thank you! I loved reading about your adventure and the pictures are beautiful!

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Statistik

km

12 Länder durchquert
319 Wandertage
89 Ruhetage

Aktualisiert am 11.06.2016 – ANGEKOMMEN IN LISSABON!