Wanderabenteuer von Tallinn nach Lissabon!

Kopernikusweg

An unseren ersten Tagen in Polen hatten wir gutes Wetter, sahen hübsche mittelalterliche Städte, wanderten auf dem Land und hatten – Wegmarkierungen! Zum ersten Mal auf unserer Wanderung folgten wir einem markierten Wanderweg. Der E9 läuft in Polen entlang verschiedener Wege, die jeweils mit einer Farbe gekennzeichnet sind, die wir an Bäumen und Gebäuden am Weg finden konnten.
Auf dem Abschnitt von Braniewo nach Elbląg, an den Tagen 82 bis 85 unserer Wanderung, folgten wir dem Kopernikusweg, benannt nach dem Wissenschaftler und Astronomen, der in dieser Region lebte und arbeitete.
Wenn ihr auf weitere Bilder vom Meer und Strand gewartet habt, wird euch dieser Artikel enttäuschen. Wir sind überwiegend im Landesinnern gewandert und waren nur kurz in der Nähe des Wassers; am Frischen Haff – der Zwillingsschwester des Kurischen Haffs westlich von Kaliningrad, von der Ostsee durch die Frische Nehrung getrennt. Wir hoffen, dass euch diese grünen Bilder trotzdem gefallen:

Wir sind sehr früh in Kaliningrad gestartet, um den Bus über die russisch-polnische Grenze nicht zu verpassen. Am Ende waren wir eine Stunde zu früh am Busbahnhof und hatten nichts anderes zu tun als fettiges Gebäck mit Instantkaffee zu frühstücken. Als wir an der Grenze nach Polen waren, mussten wir noch nicht mal aus dem Bus aussteigen, es wurden nur alle Pässe eingesammelt, um sie zu prüfen. Noch etwas Warten im Bus und los ging es nach Polen! Wir stiegen am ersten Halt nach der Grenze, in Braniewo, aus. Zu unserer großen Freude war das Erste, was wir sahen, eine Karte des E9!

Nach einer kleinen Runde durch die Altstadt und einem frühen leichten Mittagessen begannen wir unsere Wanderung.


Es war ein sonniger Tag und wir freuten uns an der Landschaft aus Feldern, Wäldern und Obstbäumen. Wir hatten vor, eine kurze Wanderung zu machen, die Entfernung nach Frombork sollte 12 km sein. Leider ignorierten wir irgendwann für eine längere Zeit, dass es keine Kennzeichnungen mehr am Weg gab und als wir es bemerkten, mussten wir einen großen Umweg machen, der die Strecke um 6 km verlängerte. In Frombork fanden wir einen Campingplatz, der auch domki (kleine Holzhütten) vermietete. Wir waren ein paar Stunden später ganz froh über unsere Entscheidung, denn der starke Regenschauer hätte unser Zelt auf eine schwere Belastungsprobe gestellt.
Die polnische Sprache stellte sich als schwieriger heraus als erwartet, doch wir taten unser Bestes, um die wichtigsten Wörter bald zu können: dzień dobry (Guten Tag) und dziękuję (danke). Bei cześć (Hallo) scheiterten wir kläglich, es hört sich aber cool an, wenn die Polen das sagen.

Den nächsten Tag begannen wir damit, den Turm zu besichtigen, wo Nikolaus Kopernikus viele seiner astronomischen Beobachtungen gemacht hat. Es war ein bisschen schwer, den Turm mit unseren Rucksäcken zu besteigen, aber es hat sich gelohnt. Es gibt ein Focaultsches Pendel in der Mitte und der Blick von oben war fantastisch!


Nach all dem Klettern und Besichtigen hatten wir noch einen Kaffee verdient, bevor wir unsere Wanderung nach Tolkmicko starteten, auf der wir – natürlich – dem Kopernikusweg folgten. José ist die ersten 10 km munter gelaufen, dann begann sein Fuß zu schmerzen, wie in den Tagen vor unserer Pause in Kaliningrad. Schließlich kamen wir in Tolkmicko am Ende eines heißen Tages an und setzten uns erstmal in eine Pizzeria. Wir hatten im Ort noch keine Unterkünfte außer einer Campingwiese gesehen, also fragten wir die Bedienung. Es stellte sich heraus, dass wir vor einem pensjonat (Pension) saßen und die Kellner halfen uns, telefonisch ein Zimmer zu reservieren. Wieder einmal freuten wir uns, unter einem festen Dach zu schlafen, denn auch in jener Nacht fiel starker Regen.

Der nächste Tag begann sonnig und klar, und wir waren zurück auf unserem Weg. Nach einem einfachen und flachen Stück führte uns der Pfad in den Wald und die Hügel herauf und herab. Um uns herum war die Landschaft wunderschön, doch die Strecke war sehr schwer zu gehen, besonders mit unseren Rucksäcken. Als wir in dem Ort ankamen, wo wir gegen Mittag sein wollten, war es bereits Nachmittag und wir waren völlig fertig. Wir fanden eine Zimmervermietung und gingen hinein, aber sie hatten nichts mehr frei. Wir fragten die Besitzerin, ob wir wenigstens unser Zelt aufstellen durften, denn wir wollten an dem Tag wirklich nicht mehr weiter gehen. Sie hätte nichts dagegen, aber es gab keine Toilette, die wir benutzen konnten. Das fanden wir nicht so toll, also machten wir uns wieder auf den Weg. Die Dame lief uns nach, da sie inzwischen versuchte, eine Nachbarin zu erreichen, wo wir vielleicht zelten konnten. Leider nahm sie nicht ab, und inzwischen hatten wir die Straße erreicht. Die Dame war immer noch hinter uns und rief ein Ehepaar, das im Ferienhaus der Nachbarin Urlaub machte. Als sie von unserer Situation hörten, sagten sie gleich, wir sollten hereinkommen und unser Zelt im Garten aufstellen. Natürlich konnten wir das Bad benutzen und sie würden es später mit der Vermieterin klären.
Als wir uns eingerichtet hatten, luden sie uns ein, uns zu ihnen zu setzen und zu essen. Wir haben einen tollen Abend mit Krzystof und Elzbieta verbracht, mit Essen, Degustation ihres selbstgemachten Likörs und einer stundenlangen Unterhaltung mit Hilfe von Fotos, Karten und dem wenigen Russisch, das wir konnten. Es war schön, ein weiteres Beispiel von Freundlichkeit zu erleben und der einzige Wermutstropfen war, dass die beiden nichts von unserem Essen annehmen wollten.

Wir schauten uns die Karte genau an, bevor wir am folgenden Tag losgingen und zum ersten Mal würden wir dem Kopernikusweg/E9 untreu sein. Damit die Strecke über möglichst viele schöne Waldwege führte (mit viel Auf und Ab), ging sie im Zigzag bis zur Stadt Elbląg. Anstatt einer direkten Distanz von 15 km müssten wir 25 laufen, um dem Kopernikusweg zu folgen. Wir dachten an Josés schmerzenden Fuß und entschieden uns fur den kürzeren Weg. Das bedeutete ein bisschen Straßenwandern, doch schließlich konnten wir auf einer riesigen leeren Straße laufen, die darauf wartete, dass das geplante Industriegebiet links und rechts ein Erfolg wird.
Während unserer letzten Kilometer bis zum Außenbezirk von Elbląg hatten wir ein ernstes Gespräch über den Sinn und Zweck unseres Projekts. José hatte starke Schmerzen, so dass er sich nicht vorstellen konnte, unsere Wanderung auf diese Weise fortzusetzen. Andererseits glaubten wir weiterhin, dass es eine großartige Idee ist, Europe zu Fuß kennen zu lernen und uns selbst Zeit zu geben, über unsere Leben nachzudenken. Wir einigten uns, ein paar Tage in Danzig frei zu nehmen, medizinische Hilfe für das Fußproblem zu suchen, und dann je nach Erfolg der Behandlung über die Weiterführung der Wanderung zu entscheiden.
Wir fanden ein günstiges Hotel in der Nähe, ruhten uns etwas aus und machten uns später auf, die ehemalige Hansestadt Elbląg zu entdecken – mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Hier verlässt der E9 den Kopernikusweg und Wanderer sollen die Fähre übers Haff nehmen, um einem Weg auf der Frischen Nehrung zu folgen. Wir haben eine etwas andere Lösung gefunden, wie ihr im nächsten Artikel „In Gdansk und um Gdansk herum“ herausfinden werdet.

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Braniewo: 54.380944, 19.840980
Frombork Camping: 54.359008, 19.695827
Pensjonat Boni: 54.321124, 19.525756
Suchacz: 54.284319, 19.442051
Hotel Stadium: 54.178101, 19.398352

3 Responses to Kopernikusweg

  1. I’m sorry that you have received our refusal „We were happy to have experienced another example of kindness and the only thing which made us sad Was That they would not accept any of our food.“ Just do not eat anything sweet cakes, sweet rolls, etc. chocolate candy. Sorry we did not want to make you upset. Regards, Krzysztof.
    PS
    Thank you for a lovely evening and we wish you a successful migration.

    • Dear Krzysztof and Elzbieta!
      First of all, we are very happy to hear from you.
      It was a great pleasure meeting you and we keep good memories of our evening together, your kindness and generosity. You did not upset us at all, we were only a bit disappointed with ourselves, that we did not manage to find something to express our gratitude.
      Dziekuję za wszystko and hope to stay in touch!

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Statistik

km

12 Länder durchquert
319 Wandertage
89 Ruhetage

Aktualisiert am 11.06.2016 – ANGEKOMMEN IN LISSABON!