Wanderabenteuer von Tallinn nach Lissabon!

Nordseestrände

Nachdem wir einen unglaublich langen Deich überquert hatten, kamen wir endlich näher an die Nordseeküste der Niederlande. Über das hinaus, was wir erwartet hatten, nämlich weite Sandstrände und starken Wind (meist in die Gegenrichtung), fanden wir weiche Dünenlandschaften und sogar einige Hügel vor. Die Vielfalt von Pflanzen und Tieren überraschte uns: Verschiedene Arten von Gräsern, Nadelbäumen und Büschen, einige mit bunten Blüten, sowie respekteinflößende Galloway Rinder und grazile Rehe. Wir freuten uns, Martine zu treffen, die uns die wunderschöne Stadt Haarlem und leckeres hausgemachtes holländisches Essen vorstellte.

Am Tag 187 wanderten wir auf dem Afsluitdijk. Es war uns bewusst, dass die Überquerung dieses Deiches den ganzen Tag dauern würde, und dass wir wahrscheinlich im dichten Nebel laufen, ohne Ablenkungen abgesehen vom Geräusch hunderter Fahrzeuge, die auf die jeweils andere Seite wollen. Es hätte problemlos eine unserer langweiligsten Wanderungen der ganzen Reise werden können, doch war es am Ende ein wunderbarer langer Spaziergang, der tatsächlich zu den Lieblingserinnerungen unseres Abenteuers gehört.
Anfangs hatten wir Schwierigkeiten, den richtigen Zugang zum Fahrradweg zu finden und bekamen einen riesigen Schreck, als ein Bus aus dem dicken Nebel auftauchte und nur einen Meter neben uns vorbeifuhr. Wir hatten gerade fotografiert und standen deshalb am Rand von dem, was wir für eine autofreie Straße hielten. Sonst hätte dieser Tag kein gutes Ende genommen.
Von nun an wurde es immer besser. Der Nebel lichtete sich langsam und gab den herrlichen Blick auf das IJsselmeer zu unserer Linken und das offene Meer zu unserer Rechten frei; wir fanden endlich den Fahrradweg, den wir den ganzen Tag für uns allein hatten (na gut, wir begegneten drei Radfahrern – aber keinen Bussen mehr!); die Sonne schien hell und begleitete uns auf dem Weg. Wir verließen den Deich mit einem wunderbaren Sonnenuntergang, der uns motivierte, auch noch die letzten Kilometer bis Den Oever in der Provinz Nordholland zu schaffen. Als wir ankamen, hatten wir unseren Entfernungsrekord von 34 km wiederholt (das erste Mal in Lettland, auf dem Weg nach Riga) und hatten noch genug Energie, um zu einem kleinen Restaurant zu gehen und unseren Erfolg zu feiern!

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Da der E9 uns in den folgenden zwei Tagen durch das Landesinnere führte, verabschiedeten wir uns noch einmal von der Küste und wanderten auf geraden Straßen durch weite Felder und entlang Bewässerungskanälen und Lagunen. Bedingt durch die flache Landschaft und die Nähe des Meeres gab es eine riesige Zahl von Windmühlen – altmodische und moderne.

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In Callantsoog waren wir zurück am Meer und begannen den Tag 190 unserer Wanderung so, wie wir es am meisten mochten: Wandernd auf einem langen geraden Strand mit festem Sand, von wo aus wir die unendliche Aussicht genießen konnten. Etwas später veränderte sich die Landschaft und wir befanden uns in einem unerwartet grünen und hügligen Gebiet – Kennemerland, das von beeindruckenden Galloway Rindern bewohnt wird und eines der wenigen Waldgebiete an der niederländischen Küste ist. Nachdem wir den ganzen Tag bei ziemlich gutem Wetter gewandert waren, überraschte uns ein starker Regenschauer 500m vor unserer Unterkunft. Wir kamen klatschnass dort an; gut, dass wir noch trockene Sachen in den Rucksäcken hatten!
Am nächsten Tag folgten wir weiterhin der Küste, entweder direkt auf dem Strand oder durch die Dünen, wo es etwas windgeschützter war. Ein weiterer plötzlicher Regen überzeugte uns, ein Strandcafé aufzusuchen, wo wir bei heißem Kaffee, Apfelkuchen und Wurst das Schlimmste abwarteten. Wir zogen alle unsere Regensachen über und gingen los, zurück zum Strand, wo ein starker Gegenwind unsere roten Umhänge um uns herum flattern ließ und jeden, der an uns vorbeiging, zum Grübeln brachte, warum wir denn nicht in die andere Richtung liefen, wo wir den Wind im Rücken hätten. Eine Dame hielt uns an, um uns zu erzählen, dass sie absolut fasziniert von unserem Anblick von Weitem war: „Zwei rote Vögel“, die die Küste entlang flogen.

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Regen und Wolken machten Platz für herrlichen Sonnenschein (nur der Wind blies weiterhin in die Gegenrichtung), als wir Wijk aan Zee erreichten. Hier wurden wir von Martine abgeholt, die uns zu ihr eingeladen hatte. Martine als eine alte Freundin zu bezeichnen, ist gleichzeitig richtig und falsch. Wir hatten vor drei Jahren einen Tag mit ihr verbracht, als wir in China reisten und sie am Beginn einer einjährigen Weltreise mit ihrem Freund war. Dieses Paar war es, das uns inspiriert hat, eine Pause in unserem hektischen Leben einzulegen und zu reisen, als sie sagten: „Niemand fordert euch auf, eine lange Reise zu machen; niemand wartet darauf, dass ihr es macht. Wenn ihr reisen wollt, macht es möglich und geht los.“ Und nun saßen wir in ihrem Wohnzimmer, unterhielten uns mit ihr und ihrer Freundin über das Leben und genossen die leckeren Gerichte, die die beiden für uns gekocht hatten. Kleine und wunderbare Welt.

Tag 192 war ein wohlverdienter Ruhetag! Wir drei schliefen aus, aßen ein ausgiebiges Frühstück und machten Pläne für den Tag. Martine schlug einen Besuch in Haarlem vor, einer malerischen Stadt, die wegen der Nähe zu Amsterdam nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient (gut für die, die sie doch besuchen!). Unsere Gastgeberin hatte keinen Zweifel, wie wir dorthin kämen: Mit den Fahrrädern zum Bahnhof und dann mit dem Zug nach Haarlem. Der Umstand, dass sie nur zwei Fahrräder für drei Erwachsene hatte, stellte kein Hindernis dar: Einer saß auf dem Gepäckträger des stabileren Rades und los ging es. Moiken konnte sich noch gut daran erinnern, das in ihrer Jugendzeit in Berlin gemacht zu haben, doch 30 Jahre später war es eine ziemliche Herausforderung. Irgendwie schafften wir es bis zum Bahnhof, wo wir die Räder in einer Tiefgarage abstellten, die jeden Park-and-Ride Pendler überall in der Welt neidisch machen würde. Die Zugfahrt war eine angenehmere Erfahrung und es machte riesigen Spaß, durch die Straßen und entlang der Kanäle von Haarlem zu bummeln.

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Am folgenden Tag hieß es „zurück zur Arbeit“ für uns alle. Martine setzte uns wieder in Wijk aan Zee ab, wo wir neben einem riesigen Industriegebiet wanderten, bevor wir den Nordseekanal auf einer Fähre überquerten und in grünere Gegenden zurückkehrten. Wir waren jetzt im Nationalpark Süd-Kennemerland, von wo aus wir einen kleinen Umweg nach Haarlem machten, um dort die Nacht zu verbringen. Leider waren wir zu müde, um die hübschen Sraßen und Kanäle der Stadt weiter zu entdecken, aber wir konnten uns gut für den nächsten Tag ausruhen.
Unser Weg führte uns zurück in die grünen Gegenden der Region um Amsterdam und die Amsterdamse Waterleidingduinen waren eine große Überraschung: Zwischen dutzenden von Kanälen, die als Wasserreservoir der Großstadt dienten, liefen wir durch ein Waldgebiet, das voll von Hirschgruppen war. Es waren so viele und sie ware so sehr an die Nähe der Menschen gewohnt, dass sie sich kaum weg bewegten, als wir vorbei liefen. Dies war das einzige Mal auf unserer Reise, dass wir alle Zeit der Welt hatten, um grasende Rehe und stolz ihr Geweih präsentierende Hirschbullen zu fotografieren.
Es gab am Tag darauf noch ein bisschen mehr Wildtiere zu sehen, doch bald liefen wir wieder auf dem Strand, wo wir die Möwen beobachten und versuchen konnten, die Schwertmuscheln auf dem Sand zu zählen. Wir flanierten auf der schicken Strandpromenade von Noordwijk aan Zee, bevor wir schließlich in Katwijk ankamen, einem ruhigen Badeort an der Nordsee.

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Wir waren voller Vorfreude darauf, ein paar Tage lang die Rucksäcke in die Ecke zu stellen, denn wir hatten einen besonderen Tag zu feiern und fuhren für ein langes Wochenende nach Amsterdam!

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Hotel de Steenen Man: 53.111794, 5.392485
Het Huis van d Wadden: 52.935731, 5.030793
Pension Van Ewijcksluis: 52.881918, 4.879603
Sleep Inn Callantsoog: 52.834761, 4.700713
Pension Stormvogel: 52.661197, 4.630040
Martine: 52.487612, 4.660435
Wijk aan Zee: 52.493798, 4.593504
Ferry Velsen-Noord: 52.465994, 4.632626
Velsen-Zuid: 52.462433, 4.632059
Die Raeckse: 52.382276, 4.629900
BnB Mol: 52.206065, 4.395993
De Zilk: 52.301413, 4.540335

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Statistik

km

12 Länder durchquert
319 Wandertage
89 Ruhetage

Aktualisiert am 11.06.2016 – ANGEKOMMEN IN LISSABON!